Absolut. München selbst zeigt das für mich schon: eine Stadt mit sehr bayerischen Wurzeln und gleichzeitig einem der internationalsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands.
Je mehr ich gereist bin, desto wichtiger sind mir meine Wurzeln geworden. Ein Bewusstsein und Dankbarkeit für all das, was ich an meinen Wurzeln und meiner Herkunft schätze, und gleichzeitig die Integration und Annahme all dessen, was mich an anderen Kulturen und Ländern inspiriert hat, es anders zu machen, als ich es bisher kannte.
Auch wenn ich ursprünglich vielleicht mal dachte, dass sich das widerspricht, ist mir heute klar, dass gerade meine Bewusstheit über meine Wurzeln mein Herz für die Welt überhaupt erst geöffnet hat.
Denn erst wenn wir irgendwo innerlich zu Hause sind, entsteht die Freiheit, anderen wirklich offen zu begegnen. Nicht mit dem Bedürfnis, sie zu überzeugen oder einzuordnen, sondern mit der ehrlichen, unvoreingenommenen Neugierde eines Kindes. [unsichere Stelle, siehe Chat]
Heimat ist für mich deshalb längst kein bestimmter Ort mehr, sondern ein Gefühl von Gelassenheit, Akzeptanz, Lebendigkeit und Ruhe, umgeben von Menschen, die mir nahestehen. Momente, in denen gemeinsam gelacht wird. Gespräche, die verbinden. Das Gefühl, getragen zu sein und gleichzeitig man selbst sein zu dürfen.
Vielleicht berühren mich neue Kulturen deshalb bis heute so sehr. Jede Begegnung erweitert meinen Blick ein Stück. Sie erinnert mich daran, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, zu leben, zu lieben, Familie zu gestalten oder Konflikte zu lösen. Und dass unsere eigene Art selten die einzig richtige ist.
Diese Erfahrung prägt auch meine Arbeit als Mediatorin. Die Struktur ist für mich kein Geländer, an dem ich festhalte. Sie ist eher wie das Flussbett eines Flusses, das die Richtung vorgibt. Aber das Wasser findet seinen eigenen Weg, und genau so verstehe ich Mediation.
Ja, eine Struktur ist hilfreich, weil sie Halt und Orientierung schenkt. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die eigentliche Veränderung dort entsteht, wo wir bereit sind, den Menschen zu folgen und nicht unserem Plan.
Vielleicht arbeite ich deshalb so gerne transformativ. Mich interessiert nicht nur, wie ein Konflikt gelöst wird, sondern viel mehr, was zwischen Menschen möglich wird, wenn sie sich wirklich begegnen. Was möglich ist, wenn wir Regeln brechen, den Mut haben, Altgewohntes und Strukturen loszulassen, und Kontrolle abgeben.
Ich höre genauso auf das, was zwischen den Menschen geschieht, wie auf das, was gesagt wird. Oft sind es gerade die ungeplanten Momente, die Türen öffnen, die wir mit dem besten Leitfaden nie gefunden hätten.
Wie jedes Land seine eigene Kultur und Geschichte hat, bringt auch jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit mit. Jedes Team entwickelt seine eigene Dynamik. Jeder Konflikt spricht seine eigene Sprache.
Für mich bedeutet Mediation deshalb nicht, Menschen durch einen Prozess zu führen, sondern gemeinsam mit ihnen einen Weg zu finden, der genau zu ihnen und ihrem Anliegen passt. Kurz gesagt: Ich vertraue den Menschen mehr als rigiden Plänen.