Was macht eine Mediationsausbildung wirklich besonders? Sind es die Inhalte, die Trainer oder vielleicht der Ort, an dem gelernt wird? Im Gespräch mit unserer Trainerin Rosi sprechen wir darüber, warum die Intensivwoche im Kloster in der Toskana weit mehr ist als eine Weiterbildung. Sie erzählt, weshalb echte Lernerfahrungen oft außerhalb des Seminarraums entstehen, wie aus einer Gruppe Fremder eine Gemeinschaft wird und warum viele Teilnehmende diese Woche noch lange nach ihrem Abschluss begleitet.
Warum findet die Ausbildung ausgerechnet in einem Kloster in der Toskana statt – und warum macht das einen Unterschied?
Es gibt Orte, die uns einladen, langsamer zu werden. Klöster haben für mich genau diese Qualität, weil dort etwas geschieht, das im Alltag selten geworden ist: Wir hören wieder hin.
Auf andere, auf uns selbst und manchmal auch auf etwas Größeres als uns selbst – wie auch immer jede und jeder das für sich nennen möchte.
Ich glaube, Mediation braucht genau diese Qualität: nicht schneller zu werden, sondern vor allem präsenter.
Eine Woche gemeinsam an einem solchen Ort zu verbringen, verändert deshalb nicht nur das Lernen. Sie verändert auch die Beziehungen zwischen den Menschen. Aus Teilnehmenden wird eine Gemeinschaft. Es fällt ihnen leichter, sich zu öffnen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie sich sicher fühlen.
Aus Methoden und Wissen wird durch das stetige Beisammensein Erfahrung. Genau dort beginnt für mich die eigentliche Mediationsausbildung.
Viele erzählen uns später, dass genau dieses vollständige Eintauchen den Unterschied gemacht hat. Dass sie nicht einfach an einer Weiterbildung teilgenommen haben, sondern eine Woche erlebt haben, die noch lange in ihnen nachgewirkt hat.
Wenn man diese Erfahrung einmal selbst machen durfte, weiß man später auch als Mediatorin oder Mediator besser, wie sich genau diese Atmosphäre für zukünftige Teammediationen schaffen lässt und worauf es dabei ankommt.
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Was passiert nach dem offiziellen Seminarteil – und warum entstehen gerade dort oft die wichtigsten Erkenntnisse?
Manchmal beginnt genau dann der inspirierendste Teil des Tages. Beim gemeinsamen Abendessen. Mit einem Glas Wein auf der Terrasse. Beim Spaziergang durch die Weinberge, wenn langsam die Sonne untergeht. Plötzlich entstehen Gespräche, die niemand geplant hat.
Jemand erzählt von einem Konflikt, der ihn seit Jahren begleitet. Eine andere Teilnehmerin entdeckt durch eine Rückmeldung etwas über sich selbst, das ihr vorher nie bewusst war. Aus Fremden werden Menschen, die sich mit erstaunlicher Offenheit begegnen. So lebt die Mediation außerhalb des Seminartages ganz ungezwungen, ungeplant und frei weiter.
Es fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue, wie schnell echte Verbindung entstehen kann, wenn Menschen sich ohne Rollen, Titel oder Alltagshektik begegnen.
Und obwohl wir über Konflikte sprechen, wird unglaublich viel gelacht. Denn gute Mediation hat viel mit Leichtigkeit zu tun. Mit Neugier. Mit Humor. Mit der Fähigkeit, sich selbst nicht immer allzu ernst zu nehmen.
Viele der wichtigsten Erkenntnisse entstehen nicht im Seminarraum, sondern zwischen zwei Programmpunkten oder in den freien Zeiten beim Espresso auf der Terrasse. Oder auf einem stillen Spaziergang, wenn das Gelernte plötzlich seinen Platz findet.
Genau in diesen Momenten entsteht die Grundlage für Freundschaften und kollegiale Netzwerke, die sich später bei schwierigen Fällen unterstützen, gemeinsam reflektieren oder einfach wissen: Da ist jemand, der versteht, wie ich auf Konflikte schaue.
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Wann merkst du als Trainerin, dass sich bei den Teilnehmenden etwas verändert?
Am Montag tragen viele unglaublich viel mit sich herum. Den Anspruch, alles richtig machen zu müssen, obwohl sie doch gerade erst begonnen haben. Den Wunsch, kompetent zu wirken. Die Sorge, Fehler zu machen oder gar nicht gut genug zu sein. All das erinnert mich manchmal an eine Ameise – sie trägt mehr, als eigentlich möglich erscheint.
Und dann darf ich dieselben Menschen am Freitag oft ganz anders erleben. Nicht, weil sie plötzlich alles können – diesen Punkt erreicht man als Mediatorin oder Mediator wahrscheinlich nie. Sondern weil sie das Wichtigste überhaupt gefunden haben: ihre eigene Kraft.
Dadurch entspannt sich vieles. Sie wirken ruhiger, neugieriger statt angespannt, mutiger statt vorsichtig und gleichzeitig mit Respekt und Achtung für den Prozess. Über Fehler können wir auf einmal lachen und sie als Einladung zum Lernen verstehen. Am Ende der Woche wirken sie auf mich deshalb eher wie Löwen.
Über die Woche hinweg wird aus einer Gruppe Fremder eine Gemeinschaft von Menschen, die einander wirklich begegnen – etwas, das im Alltag eher selten geworden ist. Jedes Mal darf ich dabei mit Freude beobachten, wie sich der Blick auf Konflikte verändert.
Was am Montag noch belastend oder bedrohlich wirkte, wird Schritt für Schritt zu etwas, dem man mit mehr Ruhe, Verständnis und sogar Neugier begegnen kann.
Am Freitag liegt oft eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Mehr Klarheit, mehr Ruhe und mehr Vertrauen – gleichzeitig aber auch Wehmut, weil diese intensive Woche zu Ende geht.
Es gibt jedes Jahr diesen einen Moment, in dem jemand sich selbst überrascht und sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann."
Oder: „Ich hätte nie gedacht, dass Konflikte einmal etwas sein könnten, worauf ich mich freue."
Für mich ist das der schönste Moment der ganzen Woche. Denn genau dann weiß ich: Aus Methoden ist Erfahrung geworden. Und aus Erfahrung entsteht Vertrauen.
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Was nehmen die Teilnehmenden am Ende der Woche wirklich mit nach Hause – jenseits eines Zertifikats?
Konflikte können wir mit einem Sommergewitter vergleichen. Manchen machen sie Angst, andere können ihnen etwas abgewinnen, und jeder hofft, dass sie schnell vorüberziehen.
Dabei wissen wir eigentlich alle: Danach ist die Luft klarer, die Farben wirken intensiver und wir können wieder tief durchatmen. Am Ende der Woche nehmen die Teilnehmenden vor allem die Fähigkeit mit, diesen Sommergewittern – also Konflikten – gelassener und mit mehr Vertrauen zu begegnen, seien es die eigenen oder die anderer Menschen.
Sie entwickeln eine neue Haltung zu Konflikten. Sie hören anders zu und nehmen ihre eigenen Bedürfnisse ebenso wie die anderer klarer wahr. Viele erzählen uns später, dass sich nicht nur ihre Arbeit verändert hat, sondern auch ihre Beziehungen.
Sie bewerten weniger, sprechen Unstimmigkeiten früher an und fragen häufiger nach, anstatt vorschnell zu urteilen. Konflikte werden nicht länger nur als Bedrohung erlebt, sondern als Möglichkeit, Menschen wirklich zu begegnen.
Mindestens genauso wertvoll ist aber etwas anderes: die Erfahrung: „Ich kann das."
Dieses Vertrauen trägt weit über die Ausbildungswoche hinaus. Und das vielleicht Wertvollste überhaupt, das viele mitnehmen, lässt sich auf keinem Zertifikat festhalten:
Eine Gemeinschaft. Menschen, die dieselbe Haltung teilen. Kolleginnen und Kollegen, aus denen oft lebenslange Freunde werden, verbunden durch eine gemeinsame Leidenschaft und einen gemeinsamen Sinn. Aber auch Wegbegleiter, die sich gegenseitig unterstützen, inspirieren und begleiten – manchmal noch viele Jahre später.
Vielleicht ist genau das das größte Geschenk dieser Woche: diese Verbundenheit untereinander, die zugleich eines der wichtigsten Werkzeuge guter Mediation ist.
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Warum liebst du diese Woche als Trainerin so sehr?
Wenn ich an diese Woche denke, kommen mir oft der Frühling oder ein Wald in den Sinn.
Man betritt ihn voller Neugier, kennt den Weg aber noch nicht. Man entdeckt immer mehr Pfade, verläuft sich zwischendurch auch einmal, bleibt stehen, hält inne und plötzlich werden einem Dinge bewusst, die im Alltag leicht untergehen.
Und irgendwann merkt man: Ich habe gar nicht nur den Wald entdeckt, sondern auch ein Stück von mir selbst.
Genau wie im Frühling, wenn alles wächst und zu blühen beginnt, darf ich jedes Jahr erleben, wie Menschen wachsen. Auf eine stille, leise und tiefgehende Weise, die bleibt.
Was ich an dieser Woche am meisten liebe, ist gar nicht, dass Menschen am Ende mehr über Mediation wissen.
Sondern dass sie oft anders gehen, als sie gekommen sind. Leichter, verbundener und mit mehr Vertrauen in ihre eigene Art.
Ich wünsche mir nie, dass am Ende alle gleich sind. Das fände ich sogar schlimm.
Ich freue mich jedes Mal viel mehr, wenn jemand erkennt: Ich muss gar nicht versuchen, so zu mediieren wie jemand anderes. Ich darf meinen eigenen Weg finden.
Einer der schönsten Momente dieser Woche ist für mich, wenn Menschen aufhören, perfekt sein zu wollen, und beginnen, ihrem eigenen Mediationsstil zu vertrauen.
Oft erkennen die Teilnehmenden dann auch, dass Mediation viel mehr ist als eine Methode. Dass sie eine Art ist, Menschen zu begegnen.
Wahrscheinlich liegt mir diese Woche deshalb so am Herzen: weil ich das Privileg habe, nicht nur mitzuerleben, wie Menschen Mediation lernen, sondern wie sie beginnen, sie mit Herz, Haltung und Vertrauen mit Leben zu füllen.
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Die Toskana-Intensivwoche selbst erleben
Rosis Erfahrung zeigt, was diese Woche im Kloster in der Toskana so besonders macht: nicht nur das Erlernen von Methoden, sondern eine echte Gemeinschaft und der Zugang zur eigenen Kraft als Mediatorin oder Mediator.
CONSENSUS Campus bietet diese Intensivwoche als Teil der Mediationsausbildung an – für alle, die Mediation nicht nur lernen, sondern in einer besonderen Umgebung wirklich erleben möchten.
Häufig gestellte Fragen
Warum findet die Mediationsausbildung in einem Kloster in der Toskana statt?add
Ein Kloster lädt dazu ein, langsamer und präsenter zu werden – eine Qualität, die Trainerin Rosi als zentral für gute Mediation beschreibt. Das gemeinsame Leben an einem solchen Ort verändert nicht nur das Lernen, sondern auch die Beziehungen zwischen den Teilnehmenden.
Was passiert außerhalb der offiziellen Seminarzeiten?
Beim gemeinsamen Abendessen, auf der Terrasse oder bei Spaziergängen durch die Weinberge entstehen oft die wichtigsten Gespräche und Erkenntnisse der Woche. Genau dort lebt die Mediation ungezwungen weiter und es entstehen Verbindungen, die über die Ausbildung hinaus bestehen bleiben.
Was nehmen Teilnehmende über das Zertifikat hinaus mit?
Neben den Methoden entwickeln Teilnehmende vor allem Vertrauen in die eigene Kraft und einen gelasseneren Umgang mit Konflikten. Ebenso wertvoll ist die Gemeinschaft: Kolleginnen und Kollegen, aus denen oft langjährige Freundschaften und gegenseitige Unterstützung entstehen.