Brauchen Sie als Mediator:in eine Berufshaftpflichtversicherung? Was dabei oft übersehen wird
In kaum einem Ausbildungsprospekt taucht diese Frage auf, dabei stellt sie sich fast jeder frisch zertifizierten Mediatorin und jedem frisch zertifizierten Mediator früher oder später: Haften Sie eigentlich persönlich, wenn in Ihrer Mediation etwas schiefgeht? Und falls ja, wie schützen Sie sich davor?
Die kurze Antwort: Es gibt keine gesetzliche Versicherungspflicht
Für nichtjuristische Mediator:innen in Deutschland besteht keine gesetzliche Verpflichtung, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Das unterscheidet sie von Rechtsanwält:innen und Steuerberater:innen, für die eine Berufshaftpflichtversicherung ohnehin zur Berufsausübung verpflichtend ist. Wer als Mediator:in arbeitet, entscheidet also grundsätzlich selbst, ob und wie er oder sie sich versichert.
Das bedeutet aber nicht, dass keine Haftungsrisiken bestehen. Im Gegenteil: Genau weil es keine Pflichtversicherung gibt, tragen viele Mediator:innen dieses Risiko, ohne es bewusst wahrzunehmen.
Woraus sich Haftung überhaupt ergibt
Die Berufshaftung von Mediator:innen stützt sich in Deutschland vor allem auf § 280 BGB (Schadensersatz wegen Pflichtverletzung aus dem Mediationsvertrag), ergänzt um die Pflichten aus dem Mediationsgesetz selbst. Eine deliktische Haftung nach § 823 BGB kommt daneben nur in Betracht, wenn durch die Pflichtverletzung zugleich ein geschütztes Rechtsgut wie Gesundheit oder Eigentum verletzt wird oder gegen ein Schutzgesetz verstoßen wird, reine Vermögensschäden, wie sie in der Mediation typischerweise entstehen, sind darüber in der Regel nicht abgedeckt.
Wichtig zur Einordnung: Mediator:innen schulden die ordnungsgemäße Durchführung des Verfahrens, nicht einen bestimmten Erfolg. Wer sein Verfahren korrekt und sorgfältig führt, haftet grundsätzlich nicht dafür, dass die Parteien am Ende keine Einigung erzielen.
Die häufigsten Risikofelder in der Praxis
Haftungsrelevant wird es dort, wo Mediator:innen ihre eigentlichen Pflichten verletzen. Die häufigsten Risikofelder in der Praxis:
§ 4 des Mediationsgesetzes verpflichtet Mediator:innen umfassend zur Vertraulichkeit. Ein Bruch dieser Pflicht, etwa durch unbedachte Weitergabe von Informationen aus der Mediation, zählt zu den größten Haftungsrisiken überhaupt.
Seit der DSGVO kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Wer sensible Mediationsinhalte unsachgemäß speichert, weitergibt oder verarbeitet, riskiert neben zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen auch behördliche Bußgelder.
Wer Verbindungen zu einer der Parteien hat und diese nicht offenlegt, verletzt die zentrale Pflicht zur Allparteilichkeit, ein Kernprinzip der Mediation überhaupt.
Wer als Mediator:in unzulässig in Rechtsberatung abgleitet, obwohl dafür keine Zulassung besteht, begibt sich ebenfalls in ein Haftungsrisiko.
Mängel bei der Protokollierung oder bei der Ausgestaltung der Mediationsvereinbarung können ebenfalls zu Ansprüchen führen.
Schadensersatzansprüche gegen Mediator:innen verjähren regelmäßig nach drei Jahren gemäß § 195 BGB, gerechnet ab Kenntnis des Anspruchs. Das ist ein überschaubarer, aber keineswegs kurzer Zeitraum.
Warum sich eine Versicherung trotzdem lohnt
Auch ohne gesetzliche Pflicht sprechen zwei praktische Gründe für eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung:
Sie trägt berechtigte Ansprüche.
Zum einen greift sie im Falle berechtigter Schadensersatzansprüche und übernimmt die entstandenen Kosten.
Sie wehrt unberechtigte Forderungen ab.
Zum anderen, und das wird oft unterschätzt, hilft sie genauso dabei, unberechtigte Forderungen abzuwehren, weil die Versicherung die rechtliche Vertretung und Prüfung des Falls finanziert. Gerade bei emotional aufgeladenen Konflikten, wie sie in der Mediation naturgemäß vorkommen, ist das kein theoretisches Szenario.
Der Bundesverband Mediation (BM) hat für seine Mitglieder deshalb eigens eine Mediator:innen-Berufshaftpflichtversicherung entwickeln lassen, ein deutliches Signal dafür, wie ernst der Verband dieses Thema nimmt, auch wenn keine gesetzliche Pflicht dahintersteht.
Was Sie konkret prüfen sollten
Bevor Sie eine Police abschließen, lohnt sich der Blick auf drei Punkte:
Deckt die Versicherung ausdrücklich Vermögensschäden aus mediativer Tätigkeit ab, nicht nur allgemeine Berufshaftpflicht?
Ist die Deckungssumme angemessen für die Art der Fälle, die Sie übernehmen möchten? Gerade im Wirtschaftskontext können Schadenssummen schnell hoch ausfallen.
Und schließt die Police auch Rechtsschutz für die Abwehr unberechtigter Ansprüche mit ein?
Fazit: Keine Pflicht, aber eine sinnvolle Absicherung
Dass es keine gesetzliche Versicherungspflicht für Mediator:innen gibt, bedeutet nicht, dass das Haftungsrisiko klein ist. Vertraulichkeit, Datenschutz, Allparteilichkeit und saubere Verfahrensführung sind zentrale Berufspflichten, deren Verletzung reale finanzielle Folgen haben kann.
Wer professionell und dauerhaft als Mediator:in arbeiten möchte, sollte die Frage nach einer Berufshaftpflichtversicherung deshalb nicht dem Zufall überlassen, sondern bewusst und frühzeitig klären, am besten schon während der Ausbildung.