Am 28. Juni 1903 gründete der Ingenieur Oskar von Miller in München ein Museum mit einem ungewöhnlichen Anspruch. Es sollte nicht einfach Objekte ausstellen, wie es Museen bis dahin taten. Es sollte Wissenschaft und Technik so zeigen, dass sie jede und jeder verstehen konnte, unabhängig von Vorbildung.Millers wichtigste Neuerung bestand darin, auf voll funktionsfähige Originale, Nachbauten und Modelle zu setzen, die Besucherinnen und Besucher selbst in Gang setzen konnten. Statt komplizierte physikalische Prinzipien nur zu beschreiben, ließ er sie auf Knopfdruck sichtbar werden. Sein Ziel war, wie er es selbst formulierte, Technik und Naturwissenschaft zum Gemeingut der gesamten Gesellschaft zu machen.
Über 120 Jahre später ist das Deutsche Museum in München das meistbesuchte Museum Deutschlands. Sein eigentlicher Erfolg liegt jedoch weniger in der schieren Größe der Sammlung als in einem Prinzip, das für Unternehmen bis heute lehrreich ist.
In vielen Organisationen wird angenommen, dass gute Kommunikation vor allem Sache der Fachexpertise ist. Wer ein Thema besonders gut versteht, so die Annahme, kann es auch am besten erklären.
Oskar von Miller widerlegte diese Annahme bereits vor über hundert Jahren. Er war selbst hochkarätiger Ingenieur, verstand aber, dass fachliches Wissen und die Fähigkeit, dieses Wissen für Laien zugänglich zu machen, zwei unterschiedliche Kompetenzen sind. Deshalb entwickelte er ein didaktisches Konzept, das eigens dafür sorgte, komplexe Zusammenhänge erfahrbar zu machen, statt sie nur zu behaupten.
In Unternehmen, in München wie andernorts, zeigt sich dieselbe Lücke häufig zwischen Fachabteilungen und dem Rest der Organisation. Wer eine Sache technisch, rechtlich oder strategisch am besten durchdringt, kann sie deshalb noch lange nicht verständlich vermitteln. Diese Fähigkeit muss eigens entwickelt werden, genau wie jede andere Kompetenz auch.
Der zentrale Unterschied zwischen dem Deutschen Museum und klassischen Museen seiner Zeit lag darin, dass Besucherinnen und Besucher Prinzipien nicht nur lesen, sondern selbst erleben konnten. Ein Hebel, ein Knopf, eine Kurbel machten abstrakte physikalische Gesetze im wahrsten Sinne begreifbar.
Diese Idee, mit der Oskar von Miller in München Maßstäbe setzte, lässt sich auf Kommunikation in Unternehmen übertragen. Komplizierte Sachverhalte, seien es neue Prozesse, rechtliche Rahmenbedingungen oder die Gründe für eine Umstrukturierung, überzeugen selten durch reine Erklärung allein. Sie überzeugen dort, wo Menschen die Auswirkungen konkret nachvollziehen können, etwa an einem Beispiel aus ihrem eigenen Arbeitsalltag statt an einer abstrakten Beschreibung.
Wer Veränderungen kommuniziert, sollte deshalb weniger fragen, wie sich ein Sachverhalt am vollständigsten beschreiben lässt, sondern wie er am unmittelbarsten erfahrbar wird.
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, verständliche Kommunikation mit oberflächlicher Kommunikation gleichzusetzen. Wer komplexe Themen einfach erklärt, so die Sorge, verliere an fachlicher Tiefe.
Das Deutsche Museum zeigt das Gegenteil. Seine Ausstellungen vereinfachen physikalische Prinzipien nicht, sie übersetzen sie in eine Form, die auch ohne Fachstudium nachvollziehbar ist. Die Inhalte bleiben komplex. Der Zugang zu ihnen wird einfacher.
Für Führungskräfte und Fachabteilungen gilt dasselbe Prinzip. Eine komplizierte rechtliche oder wirtschaftliche Entscheidung muss nicht vereinfacht werden, um verständlich zu sein. Sie muss so aufbereitet werden, dass Menschen ohne dieselbe Vorbildung ihr zugrunde liegendes Prinzip erfassen können.
Viele Konflikte in Unternehmen entstehen nicht, weil Menschen unterschiedlicher Meinung sind, sondern weil sie unterschiedliche Informationen zur Verfügung haben oder dieselbe Information unterschiedlich verstehen. Eine Entscheidung, die für die Geschäftsführung selbstverständlich erscheint, wirkt für Mitarbeitende, denen der fachliche Hintergrund fehlt, oft willkürlich.
Wird diese Lücke nicht aktiv geschlossen, entstehen Vermutungen, Gerüchte und Misstrauen, nicht, weil die Entscheidung falsch war, sondern weil sie nicht verständlich genug erklärt wurde.
Genau an dieser Stelle zeigt sich, dass verständliche Kommunikation keine nette Ergänzung ist, sondern ein wesentlicher Baustein, um Konflikte von vornherein zu vermeiden.
Auch in der Mediation gehört Übersetzungsarbeit zu den wichtigsten Aufgaben. Juristische, wirtschaftliche oder persönliche Sachverhalte müssen so aufbereitet werden, dass alle Beteiligten sie unabhängig von ihrem fachlichen Hintergrund gleichermaßen verstehen und einordnen können.
Ohne dieses gemeinsame Verständnis lässt sich keine tragfähige Lösung entwickeln. Wer eine Seite eines Konflikts nicht vollständig versteht, kann ihr auch keine Lösung anbieten, die tatsächlich passt.
Diese Fähigkeit, komplexe Sachverhalte für unterschiedliche Perspektiven gleichermaßen zugänglich zu machen, verbindet die Arbeit einer Mediatorin oder eines Mediators mit dem didaktischen Anspruch, den Oskar von Miller vor über hundert Jahren für sein Museum formulierte.
Das Deutsche Museum in München zeigt seit über 120 Jahren, dass Verständlichkeit eine eigenständige Fähigkeit ist, die sich von reiner Fachexpertise unterscheidet. Komplexe Inhalte werden nicht vereinfacht, sondern so aufbereitet, dass sie unabhängig von Vorbildung erfahrbar werden.
Für Unternehmen liegt darin eine praktische Lehre. Wer Entscheidungen, Veränderungen oder komplizierte Sachverhalte verständlich kommuniziert, verhindert nicht nur Missverständnisse. Er schafft die Grundlage dafür, dass Entscheidungen mitgetragen werden, auch von jenen, die nicht über dasselbe Fachwissen verfügen.
Kommunikationskompetenz in München weiterentwickeln
Das Deutsche Museum zeigt, wie viel Vertrauen und Verständnis entstehen, wenn komplexe Inhalte zugänglich statt nur behauptet werden, ein Prinzip, das sich unmittelbar auf Führung, Veränderungskommunikation und Konfliktvermeidung in Unternehmen übertragen lässt.
Am Standort München (Landsberger Straße) bietet CONSENSUS Campus Aus- und Weiterbildungen in Mediation und Konfliktmanagement an. Sie richten sich sowohl an Unternehmen, die komplexe Sachverhalte verständlicher kommunizieren möchten, als auch an Münchnerinnen und Münchner, die eine Mediationsausbildung für den eigenen beruflichen Weg absolvieren wollen.
Oskar von Miller wollte Wissenschaft und Technik nicht nur ausstellen, sondern durch funktionsfähige, selbst bedienbare Modelle erfahrbar machen. Sein Ziel war, komplexe Zusammenhänge unabhängig von Vorbildung verständlich zu machen.
Fachliches Wissen und die Fähigkeit, dieses Wissen für andere zugänglich zu machen, sind zwei unterschiedliche Kompetenzen. Wer ein Thema fachlich beherrscht, kann es deshalb noch lange nicht automatisch verständlich vermitteln.
Viele Konflikte entstehen, weil Beteiligte unterschiedliche Informationen haben oder dieselbe Information unterschiedlich verstehen. Verständliche Kommunikation schließt diese Lücke frühzeitig und verhindert Missverständnisse, bevor daraus Misstrauen oder offene Konflikte entstehen.