Am frühen Morgen des 5. August 1888 schob eine Frau gemeinsam mit ihren beiden Söhnen ein dreirädriges Fahrzeug leise aus einer Werkstatt in Mannheim. Erst in sicherer Entfernung vom Haus ließ sie den Motor an. Auf dem Küchentisch hinterließ sie einen Zettel für ihren noch schlafenden Mann Carl Benz. Ihr Ziel: Pforzheim, 106 Kilometer entfernt.Carl Benz hatte 1886 den Patent-Motorwagen erfunden, das erste Automobil der Welt. Das zahlende Publikum zeigte sich jedoch skeptisch. Straßen gab es nur für Pferdekutschen, Tankstellen existierten nicht, und viele hielten das laute, ungewohnte Gefährt schlicht für einen teuren Spleen.
Bertha Benz glaubte an die Erfindung ihres Mannes. Doch anstatt Kundinnen und Kunden mit Argumenten zu überzeugen, entschied sie sich für etwas anderes: Sie fuhr einfach los.
In Unternehmen, weit über Mannheim hinaus, wiederholt sich diese Situation ständig, wenn auch selten so dramatisch.
Eine neue Software soll eingeführt werden. Ein Team soll seine Arbeitsweise verändern. Eine Führungskraft soll eine ungewohnte Methode ausprobieren. In all diesen Fällen trifft eine neue Idee auf Skepsis, die sich mit reiner Überzeugungsarbeit oft nur schwer auflösen lässt.
Präsentationen werden vorbereitet, Vorteile aufgelistet, Studien zitiert. Und trotzdem bleibt Widerstand bestehen, weil Menschen einer Neuerung erst dann vertrauen, wenn sie sie in der Praxis erlebt haben.
Bertha Benz stand vor genau diesem Problem, nur ungleich größer: Sie musste nicht eine Abteilung überzeugen, sondern eine ganze Gesellschaft, die dem Automobil grundsätzlich misstraute.
Bertha Benz hätte versuchen können, Zweifler mit technischen Erklärungen zu überzeugen. Stattdessen bewies sie die Tauglichkeit des Fahrzeugs, indem sie es benutzte, und zwar unter echten Alltagsbedingungen, über eine für damalige Verhältnisse enorme Distanz.
Diese Strategie, die Bertha Benz von Mannheim aus antrat, lässt sich auf viele Situationen in Unternehmen übertragen. Wo Argumente an ihre Grenzen stoßen, wirkt oft nichts so überzeugend wie ein sichtbares, nachvollziehbares Beispiel.
Ein Pilotprojekt in einer einzelnen Abteilung kann mehr bewirken als jede Präsentation zum selben Thema. Eine Führungskraft, die eine neue Gesprächsmethode selbst vorlebt, überzeugt glaubwürdiger als ein Leitfaden dazu. Menschen lassen sich häufiger von dem überzeugen, was sie mit eigenen Augen sehen, als von dem, was ihnen erklärt wird.
Die Fahrt von Bertha Benz verlief keineswegs reibungslos. Der Kraftstoffvorrat ging zur Neige, weshalb sie in Wiesloch in einer Apotheke nachkaufte, die später als erste Tankstelle der Welt gilt. Eine verstopfte Benzinleitung reinigte sie mit einer Hutnadel. Ein Zündproblem behob sie mit ihrem Strumpfband als Isolierung. Als die hölzernen Bremsen nachließen, ließ sie bei einem Schuhmacher Lederflicken aufnageln.
Keines dieser Probleme war im Voraus geplant gewesen. Jedes davon hätte die Fahrt beenden können.
Was diese Episoden verbindet, ist eine Haltung, die für Veränderungsprozesse in Unternehmen ebenso wichtig ist wie für eine Fernfahrt im Jahr 1888: Unvorhergesehene Probleme sind kein Zeichen dafür, dass eine Idee falsch war. Sie sind ein normaler Teil des Weges, den jede neue Idee zurücklegen muss, bevor sie sich bewährt.
Wer heute in Unternehmen neue Prozesse, Werkzeuge oder Arbeitsweisen einführt, erlebt regelmäßig, dass die ersten Wochen holprig verlaufen. Genau dieser Umstand wird häufig als Beweis dafür gedeutet, dass die Neuerung nicht funktioniert.
Bertha Benz zeigt eine andere Lesart. Kleinere Probleme unterwegs bedeuten nicht, dass die Reise falsch war. Sie bedeuten, dass etwas Neues zum ersten Mal unter echten Bedingungen erprobt wird.
Entscheidend ist deshalb weniger, ob unterwegs Schwierigkeiten auftreten, sondern wie souverän damit umgegangen wird. Wer bei den ersten Schwierigkeiten sofort umkehrt, erfährt nie, ob das Ziel erreichbar gewesen wäre.
Bertha Benz erreichte Pforzheim wohlbehalten und kehrte wenige Tage später auf einer anderen Route nach Mannheim zurück. Die Fahrt zerstreute die Vorbehalte gegenüber dem Automobil spürbar und trug wesentlich zum späteren wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei.
Aus der kleinen Werkstatt in Mannheim wurde eines der bedeutendsten Industrieunternehmen der Welt. Der Beweis dafür begann jedoch nicht in einem Konferenzraum, sondern auf einer holprigen Landstraße.
Auch in der Mediation zeigt sich häufig, dass Überzeugungsarbeit selten allein durch Argumente gelingt. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen erleben, dass eine vorgeschlagene Lösung tatsächlich funktioniert, nicht nur, dass sie plausibel klingt.
Mediatorinnen und Mediatoren arbeiten deshalb häufig mit kleinen, konkreten Schritten: ein testweise vereinbartes Vorgehen, ein zeitlich begrenzter Versuch, eine überschaubare erste Veränderung. Diese Schritte schaffen Erfahrungen, auf denen sich weiteres Vertrauen aufbauen lässt.
Genau wie bei Bertha Benz gilt: Der erste Schritt muss nicht perfekt sein. Er muss nur zeigen, dass der Weg begehbar ist.
Die Fahrt von Bertha Benz aus Mannheim im August 1888 war eine private Familienangelegenheit mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Sie zeigt bis heute, dass Skepsis gegenüber Neuerungen selten durch Erklärungen allein überwunden wird.
Wirksamer ist häufig der sichtbare Beweis: ein Versuch, ein Pilotprojekt, ein erster Schritt, der zeigt, dass etwas Neues in der Praxis funktioniert, auch wenn unterwegs improvisiert werden muss.
Unternehmen, die Veränderungen auf diese Weise angehen, gewinnen mehr als überzeugte Einzelpersonen. Sie schaffen Erfahrungen, aus denen echtes Vertrauen entstehen kann.
Überzeugungskompetenz in Mannheim weiterentwickeln
Mannheim gilt als Geburtsstadt des Automobils und steht damit für die Erfahrung, dass gute Ideen erst durch mutiges Handeln ihre Wirkung entfalten. Diese Erfahrung lässt sich auf Veränderungsprozesse in Unternehmen übertragen, in denen Vertrauen erst durch sichtbare, nachvollziehbare Schritte entsteht.
Am Standort Mannheim bietet CONSENSUS Campus Aus- und Weiterbildungen in Mediation und Konfliktmanagement an. Sie richten sich sowohl an Unternehmen, die Veränderungen glaubwürdig gestalten möchten, als auch an Privatpersonen, die eine Mediationsausbildung für den eigenen beruflichen Weg absolvieren wollen.
Bertha Benz fuhr gemeinsam mit ihren Söhnen ohne Wissen ihres Mannes von Mannheim nach Pforzheim, um die Tauglichkeit des von Carl Benz erfundenen Automobils unter Beweis zu stellen. Es gilt als die erste Fernfahrt der Automobilgeschichte.
Menschen vertrauen einer Neuerung häufig erst, wenn sie erlebt haben, dass sie in der Praxis funktioniert. Ein sichtbares Beispiel schafft diese Erfahrung, während reine Argumente oft abstrakt bleiben.
Mediation setzt häufig auf kleine, konkrete Testschritte statt auf reine Überzeugungsarbeit. Ein zeitlich begrenzter Versuch zeigt Beteiligten, dass ein vorgeschlagener Weg tatsächlich gangbar ist, und schafft so die Grundlage für weiteres Vertrauen.